Von
Anja Müller
Bearbeitet von
Laura Schneider

Immer mehr Menschen berichten über ihre Herausforderungen mit Glücksspielabhängigkeit. Eine 29-Jährige erzählt von ihrem jahrelangen Kampf, der bereits vor ihrem vollendeten 18. Lebensjahr begann. Trotz eines stabilen Lebens - sie hat einen Job, zahlt ihre Miete und hat keine Schulden - leidet sie innerlich unter den Folgen ihrer Spielerfahrungen.
Der Einstieg in die Welt des Glücksspiels fand mit Erlaubnis ihrer Mutter auf Sportwetten-Seiten statt. Schnell steigerten sich die Einsätze, um Verluste auszugleichen, was schließlich zu Online-Poker und Kasinospielen führte. Ein Tiefpunkt ihrer Geschichte betrifft den Verlust der gesamten Gehaltssumme, ausgelöst durch den Drang, verlorenes Geld zurückzugewinnen.
„Ich habe oft das Gefühl, dass ich nicht wirklich verliere. Gewonnen? Ich will mehr. Verloren? Ich will es zurück“, erklärt sie.
Die Suche nach Hilfe schien zunächst möglich. Eine Therapie, die sie vor einem Jahr begann, half ihr jedoch nicht direkt. „Ich war mehr aus Angst vor meinem Therapeuten dort, als dass ich an meinem Problem arbeitete.“
In Foren tauschen sich Betroffene über ihre Erlebnisse aus. Viele berichten von positiven Aspekten der Selbstsperre.
„Ich habe nach einer 30-tägigen Selbstsperre gemerkt, wie viel Geld ich wirklich spare“, sagt ein Nutzer.
Ein anderer empfiehlt das Programm "BetGuard", das den Zugang zu Online-Casinos blockiert. „Das hat mein Leben gerettet“, meint er.
Die Schilderungen zeigen, dass Selbstsperren, vor allem für Online-Glücksspiel, einen wichtigen Schritt zur Kontrolle darstellen können.
Ein entscheidender Aspekt scheint die Offenheit über die eigene Situation zu sein. „Ich habe meinem Bruder erzählt, dass ich kämpfe. Das hat mir das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein“, berichtet ein anderer Spieler.
Das Führen eines Haushaltsbuchs kommt ebenfalls häufig zur Sprache: „Ich habe jeden Euro verfolgt, und das machte mir deutlich, wo mein Geld landet. So konnte ich mir endlich etwas leisten.“
Es ist klar, dass der Weg zur Überwindung einer Glücksspielabhängigkeit nicht einfach ist. Doch Strategien wie Selbstsperren, Unterstützung aus dem eigenen Umfeld und das Bewusstsein über die eigenen Finanzen können helfen.
Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, mit Glücksspielproblemen zu kämpfen hat, ziehen Sie in Betracht, professionelle Unterstützung zu suchen oder Online-Ressourcen zu nutzen.
👥 Betroffene berichten über die positive Wirkung von Selbstsperren.
💬 Der Austausch mit Freunden oder Familie kann helfen, das Stigma zu brechen.
📅 Ein einfaches Haushaltsbuch kann Ihnen helfen, Ihr Geld besser zu verwalten.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Selbsthilfe und die Suche nach Unterstützung zunehmen, ist hoch. Immer mehr Menschen erkennen, wie wichtig es ist, über ihre Probleme zu sprechen, was dazu führt, dass der Druck auf Anbieter von Glücksspielen wächst, sicherere Umgebungen zu schaffen. Experten schätzen, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren etwa 40 Prozent der Spieler eine Art von Selbstsperre in Betracht ziehen werden, um ihre Ausgaben besser zu kontrollieren. Dies könnte auch dazu führen, dass mehr Menschen alternative Maßnahmen zur Betreuung und Aufklärung implementieren, um ihre Abhängigkeit zu bekämpfen und das Bewusstsein in der Gesellschaft zu schärfen.
In der Geschichte gibt es zahlreiche Beispiele für Menschen, die sich von ihrer Abhängigkeit befreien mussten, wenn auch nicht zwangsläufig im Bereich des Glücksspiels. Ein bemerkenswerter Vergleich findet sich im Kampf gegen die Tabakabhängigkeit der vergangenen Jahrzehnte. Ähnlich wie Glücksspieler begannen auch Raucher, durch Gruppen und Aufklärung ihre Abhängigkeit zu erkennen und Maßnahmen zu ergreifen, um sich zu befreien. Diese Bewegung zeigte, dass gemeinschaftliche Unterstützung und der Austausch über Erfahrungen entscheidend sind, um aus einem schädlichen Teufelskreis auszubrechen. Die Lehren aus diesen Kämpfen könnten auch den Betroffenen im Glücksspiel helfen, Mut zu fassen, ihre eigene Geschichte zu ändern.